Wie läuft eine rTMS-Behandlung ab?
Ablauf, Dauer und Anzahl der Sitzungen
Wer erstmals von der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) hört, stellt häufig dieselben Fragen: Wie wird die Behandlung vorbereitet? Was passiert während einer Sitzung? Wie lange dauert die Magnetstimulation? Und wie viele Termine sind notwendig?
Der genaue Ablauf hängt von Diagnose, verwendetem Stimulationsprotokoll und der individuellen medizinischen Situation ab. Dieser Beitrag geht die Schritte der Reihe nach durch.
Kurz zusammengefasst
- Am Anfang steht die fachärztliche Diagnostik, ergänzt durch ein qEEG
- Je nach Protokoll dauert eine Sitzung 4 bis 30 Minuten
- Ein vollständiger Behandlungskurs umfasst nach internationalen Empfehlungen etwa 30 bis 36 Sitzungen
Wie läuft eine rTMS-Behandlung ab? Ablauf, Dauer & Neurostimulation – Dr. med. Oliver Seemann erklärt.
Schritt 1: Fachärztliche Diagnostik
Vor einer rTMS-Behandlung steht eine ausführliche psychiatrische und medizinische Beurteilung. Berücksichtigt werden unter anderem die aktuelle Symptomatik, bisherige Behandlungen, Medikamente, mögliche Begleiterkrankungen und Sicherheitsaspekte.
Ziel ist es, zu klären, ob eine neurostimulatorische Behandlung grundsätzlich infrage kommt und welches Vorgehen zur individuellen Situation passt.
Schritt 2: qEEG und Brain Mapping
Im diagnostischen Konzept von Dr. Seemann kann ergänzend ein quantitatives Elektroenzephalogramm (qEEG) durchgeführt werden. Ein EEG misst über Elektroden auf der Kopfoberfläche elektrische Aktivität des Gehirns. Bei der quantitativen Auswertung werden diese Signale mathematisch analysiert und beispielsweise hinsichtlich ihrer Frequenz- und räumlichen Verteilung dargestellt. Solche Darstellungen werden häufig als „Brain Mapping“ bezeichnet. Mehr dazu unter qEEG.
Dabei ist eine wissenschaftliche Differenzierung wichtig: Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse fand bislang keinen Beleg dafür, dass EEG-synchronisierte beziehungsweise andere personalisierte rTMS-Protokolle bei Depression grundsätzlich bessere Behandlungsergebnisse erzielen als konventionelle feste Protokolle. Die Forschung zur personalisierten Neurostimulation entwickelt sich jedoch weiter.
Schritt 3: Festlegung der Stimulationsparameter
Nach der diagnostischen Beurteilung wird das Behandlungsprotokoll festgelegt. Je nach Indikation können sich unter anderem folgende Parameter unterscheiden:
- Zielregion
- Stimulationsfrequenz
- Intensität
- Impulsmuster
- Anzahl der Impulse
- Anzahl und zeitliche Verteilung der Sitzungen
Die Parameter werden am Stimulationsgerät eingestellt.
Schritt 4: Positionierung der Magnetspule
Während der Behandlung sitzt die Patientin oder der Patient wach in einem Behandlungsstuhl. Die Magnetspule wird über der zuvor festgelegten Region des Kopfes positioniert.
Durch kurzzeitige elektrische Ströme innerhalb der Spule entsteht ein wechselndes Magnetfeld. Dieses induziert elektrische Aktivität im darunterliegenden Hirngewebe und kann so die Erregbarkeit bestimmter neuronaler Netzwerke beeinflussen. Eine Narkose ist bei der klassischen rTMS nicht erforderlich.
Wie lange dauert eine rTMS-Sitzung?
Die Dauer hängt vom verwendeten Protokoll ab und liegt zwischen 4 und 30 Minuten.
Besonders kurze Protokolle wie die intermittierende Theta-Burst-Stimulation (iTBS) beginnen bei etwa 4 Minuten, umfangreichere Behandlungen dauern bis etwa 30 Minuten.
Die kürzere Behandlungsdauer bedeutet nicht automatisch eine geringere Wirksamkeit: In einer großen randomisierten Studie bei therapieresistenter Depression war iTBS einer klassischen hochfrequenten rTMS nicht unterlegen. Diese Einschätzung wurde auch in einem internationalen Konsensus von 2025 aufgegriffen.
Wann merkt man eine Wirkung?
Diese Frage lässt sich nicht für jede Patientin und jeden Patienten gleich beantworten. Manche Menschen berichten früh über Veränderungen, während bei anderen mehrere Wochen Behandlung notwendig sind.
Ein fehlender subjektiver Effekt nach wenigen Sitzungen bedeutet daher nicht automatisch, dass eine rTMS-Behandlung wirkungslos ist. Aktuelle internationale Konsensempfehlungen zur Behandlung von Depressionen empfehlen grundsätzlich einen vollständigen Behandlungskurs von etwa 30 bis 36 Sitzungen.
Sind ein oder zwei Sitzungen pro Tag möglich?
Es existieren sogenannte beschleunigte beziehungsweise accelerated TMS-Protokolle, bei denen mehrere Stimulationssitzungen innerhalb eines Tages durchgeführt werden.
Diese Verfahren unterscheiden sich jedoch von klassischen rTMS-Behandlungsplänen und sollten nicht mit einem allgemein gültigen Standardschema gleichgesetzt werden. Welches Protokoll sinnvoll ist, muss anhand der jeweiligen Indikation und des Behandlungskonzepts entschieden werden.
Was passiert nach dem ersten Behandlungszyklus?
Nach Abschluss der Akutbehandlung wird beurteilt, wie sich die Symptomatik verändert hat. Bei einigen Patientinnen und Patienten kann anschließend eine Erhaltungstherapie beziehungsweise eine erneute Stimulation bei nachlassender Wirkung sinnvoll sein.
Die Forschung zur optimalen Erhaltungstherapie entwickelt sich derzeit weiter. Meta-Analysen zeigen Hinweise auf einen möglichen Nutzen, zugleich unterscheiden sich die untersuchten Behandlungspläne stark voneinander. Ein universelles Schema ist deshalb derzeit nicht als allgemeiner Standard etabliert.
Welche Rolle spielt Neuroplastizität?
Unser Gehirn ist kein statisches Organ. Neuroplastizität beschreibt seine Fähigkeit, Aktivitätsmuster, synaptische Verbindungen und funktionelle Netzwerke als Reaktion auf Erfahrungen und wiederholte Reize anzupassen.
Neuroplastische Prozesse gehören zu den wichtigen Mechanismen, die zur Erklärung längerfristiger Effekte der rTMS diskutiert werden.
Vorsicht ist jedoch bei vereinfachenden Aussagen über „neue Nervenzellen“ geboten. Insbesondere die adulte Neurogenese im menschlichen Hippocampus ist weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Es wäre deshalb zu weitgehend zu behaupten, eine rTMS-Behandlung führe nachweislich zu einer Neubildung von Nervenzellen.
Häufige Fragen zur rTMS-Behandlung
Wie lange dauert eine rTMS-Sitzung?
Das hängt vom Protokoll ab und liegt zwischen 4 und 30 Minuten. Kurze Theta-Burst-Protokolle liegen am unteren Ende dieser Spanne.
Wie viele Sitzungen brauche ich?
Das ist individuell. Ein aktueller internationaler Konsensus empfiehlt grundsätzlich einen vollständigen Kurs von etwa 30 bis 36 Sitzungen.
Muss ich für rTMS in Narkose?
Nein. Die klassische rTMS wird bei wachem Bewusstsein durchgeführt.
Ist Theta-Burst weniger wirksam als klassische rTMS?
Nicht grundsätzlich. Für iTBS bei therapieresistenter Depression wurde eine Nicht-Unterlegenheit gegenüber einem etablierten hochfrequenten Protokoll gezeigt.
Wird vor jeder rTMS ein qEEG benötigt?
Nein. Ein qEEG ist kein zwingender Bestandteil jeder etablierten rTMS-Behandlung. Dr. Seemann setzt es in seinem diagnostischen Konzept ergänzend ein.
Entstehen durch rTMS neue Nervenzellen?
Neuroplastische Mechanismen werden als wichtiger Bestandteil der Wirkweise untersucht. Eine direkte Neubildung menschlicher Nervenzellen durch eine konkrete rTMS-Behandlung lässt sich derzeit nicht als gesicherter klinischer Effekt versprechen.
Brauche ich nach der Behandlungsserie eine Erhaltungstherapie?
Nicht zwingend. Das hängt vom individuellen Verlauf ab.
Medizinischer Hinweis: Die Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Therapieempfehlung.
Unsicher, ob rTMS für Sie geeignet ist?
Wenn Sie überlegen, ob rTMS für Sie infrage kommt, klären wir das gern in einem persönlichen ärztlichen Abklärungsgespräch – transparent, individuell und ohne Druck. Erstgespräch anfragen.