Was ist rTMS?
Transkranielle Magnetstimulation verständlich erklärt
Die repetitive transkranielle Magnetstimulation, kurz rTMS, ist ein nicht-invasives Verfahren der Neurostimulation. Mithilfe einer von außen am Kopf positionierten Magnetspule werden bestimmte Bereiche des Gehirns wiederholt stimuliert.
Doch wie funktioniert das genau? Was passiert dabei mit den Nervenzellen? Und bei welchen Erkrankungen wird rTMS eingesetzt?
Kurz zusammengefasst
- Ein wechselndes Magnetfeld induziert elektrische Aktivität im Hirngewebe
- Anders als ein Medikament wirkt rTMS lokal statt im ganzen Körper
- Am besten untersucht ist der Einsatz bei depressiven Erkrankungen
Was ist rTMS? So funktioniert die transkranielle Magnetstimulation – Dr. med. Oliver Seemann erklärt.
Wie funktioniert die transkranielle Magnetstimulation?
Im Inneren einer rTMS-Spule fließt kurzzeitig elektrischer Strom. Dadurch entsteht ein sich schnell veränderndes Magnetfeld.
Dieses Magnetfeld kann den Schädel durchdringen und im darunterliegenden Hirngewebe elektrische Aktivität induzieren. Dadurch lässt sich die Erregbarkeit bestimmter Nervenzellen beziehungsweise neuronaler Netzwerke beeinflussen. Welche Region stimuliert wird und welche Frequenz, Intensität und Abfolge verwendet werden, hängt vom jeweiligen Behandlungsprotokoll ab.
Die rTMS ist also keine Operation. Es werden keine Elektroden in das Gehirn implantiert, und für die klassische Behandlung sind weder Narkose noch Muskelrelaxation notwendig.
Warum können Magnetimpulse die Gehirnaktivität beeinflussen?
Nervenzellen kommunizieren sowohl chemisch als auch elektrisch miteinander. Bei der chemischen Signalübertragung spielen Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin eine Rolle. Gleichzeitig entstehen innerhalb neuronaler Netzwerke elektrische Signale.
rTMS setzt an dieser elektrophysiologischen Ebene an. Durch wiederholte Stimulation können Aktivitätsmuster neuronaler Netzwerke beeinflusst werden.
Das bedeutet nicht, dass das Gehirn beliebig „umprogrammiert“ wird. Gearbeitet wird mit genau definierten Stimulationsparametern, deren Auswahl von Indikation und Behandlungsprotokoll abhängt.
Wo liegt der Unterschied zu Medikamenten?
Ein Medikament wird aufgenommen und über den Körper verteilt. rTMS dagegen wird lokal über eine Magnetspule angewendet. Dadurch unterscheidet sich auch das Nebenwirkungsprofil.
Medizinisch nicht korrekt wäre es allerdings, rTMS als vollständig nebenwirkungsfrei zu bezeichnen. Zu den häufiger beschriebenen unerwünschten Wirkungen gehören vorübergehende Kopfschmerzen und lokale Missempfindungen im Bereich der Stimulation. Ein epileptischer Anfall stellt eine sehr seltene mögliche Komplikation dar.
Bei welchen Erkrankungen wird rTMS eingesetzt?
Besonders umfangreich untersucht ist die Anwendung bei depressiven Erkrankungen.
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression empfiehlt, Patientinnen und Patienten mit therapieresistenten depressiven Episoden rTMS als Behandlungsoption anzubieten. Welche Form der Stimulation geeignet ist, soll in einem spezialisierten Zentrum entschieden werden.
Bei anderen psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen wird TMS ebenfalls wissenschaftlich untersucht. Evidenz und regulatorischer Status unterscheiden sich jedoch je nach Erkrankung erheblich. Eine Übersicht der Anwendungsbereiche finden Sie unter Therapiegebiete.
Wie ist die Studienlage zu rTMS bei ADHS?
Auch die Anwendung bei ADHS wird erforscht. Hier ist eine differenzierte Betrachtung besonders wichtig: Aktuelle Meta-Analysen kommen hinsichtlich der therapeutischen Effektivität zu teilweise unterschiedlichen Ergebnissen. Einige Analysen sehen Hinweise auf Verbesserungen einzelner Symptome, andere finden keinen eindeutigen Vorteil hinsichtlich der gesamten ADHS-Symptomatik.
Zudem wurden in den Studien üblicherweise Behandlungsserien über mehrere Sitzungen beziehungsweise Wochen untersucht. Ein generell zu erwartender therapeutischer Effekt bereits während einer einzelnen ersten Sitzung ist damit derzeit nicht ausreichend wissenschaftlich abgesichert.
Ist rTMS sehr gut verträglich?
Bei korrekter Indikationsstellung und fachgerechter Anwendung gilt die repetitive transkranielle Magnetstimulation grundsätzlich als sehr gut verträglich. Vor einer Behandlung sollten dennoch mögliche Kontraindikationen und individuelle Risiken ärztlich geprüft werden.
Für wen kommt die Behandlung infrage?
Ob rTMS im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt von der Diagnose, dem bisherigen Krankheitsverlauf, vorausgegangenen Behandlungen und möglichen Kontraindikationen ab.
Dr. med. Oliver Seemann ist Facharzt für Psychiatrie und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Neurostimulation. Behandelt wird am Standort Zürich sowie in den Partnerpraxen der Neuro-Spa Group. Eine individuelle fachärztliche Beratung kann klären, ob und welches Verfahren für die persönliche Situation infrage kommt.
Häufige Fragen
Tut rTMS weh?
Die Wahrnehmung ist individuell. Möglich sind ein Klopfgefühl, lokale Missempfindungen oder vorübergehende Kopfschmerzen. Statt „schmerzfrei“ ist die Formulierung „in der Regel sehr gut verträglich“ medizinisch angemessener.
Brauche ich für rTMS eine Narkose?
Für eine klassische rTMS ist keine Narkose notwendig.
Verändert rTMS das Gehirn?
Die Stimulation beeinflusst gezielt die Erregbarkeit und Aktivität neuronaler Netzwerke. Genau darin liegt das therapeutische Prinzip.
Ist rTMS bei Depression anerkannt?
Ja. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie enthält Empfehlungen zur rTMS bei depressiven Erkrankungen, insbesondere bei Therapieresistenz.
Wirkt rTMS sofort?
Das lässt sich nicht allgemein sagen. Wirkung und zeitlicher Verlauf unterscheiden sich nach Erkrankung, Protokoll und Person.
Medizinischer Hinweis: Die Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Therapieempfehlung.
Unsicher, ob rTMS für Sie geeignet ist?
Wenn Sie überlegen, ob rTMS für Sie infrage kommt, klären wir das gern in einem persönlichen ärztlichen Abklärungsgespräch – transparent, individuell und ohne Druck. Erstgespräch anfragen.